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Dr. Werner Lutz "Eine Einführung in die Ausstellung: Christoph
Bechteler im Garten" |
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Seit vier Jahren veranstalten die ECKE-Galerie in Zusammenarbeit mit der Arno-Buchegger-Stiftung, dem Architekturmuseum Schwaben und der Künstlervereinigung Augsburg "Die Ecke" diese Sommerausstellungen im ehemaligen Bucheggerschen Garten. Vor einigen Jahren hatte der Vorsitzende der Arno-Buchegger-Stiftung, Rechtsanwalt Ernst Berschet die Idee, den Garten des Buchegger-Hauses in einen Skulpturenpark zu verwandeln. Er bereiste daraufhin mehrere Monate die Ateliers von regionalen Bildhauern. Willi Weiner war 1998 der erste Künstler, der hier ausstellen durfte. Jedes Jahr tagt im Sommer der Stiftungsrat im Bucheggerschen Garten und die anwesenden Honoratioren wählen eines der Exponate für den Ankauf aus. So können wir uns alle glücklich schätzen, dass die Skulpturensammlung allmählich wächst. Gerade die äußerst reizvolle Verbindung von Natur und Skulptur wird vom Publikum begeistert angenommen. Die Besucherzahlen im Sommer sprechen eine deutliche Sprache. Es ist das Verdienst einer privaten Stiftungsinitiative, dass dieser in Augsburg und Umgebung einzigartige Skulpturenpark existiert. Ideen für die Präsentation von Bildhauerkunst im öffentlichen Raum gab es in den letzten Jahrzehnten sicherlich, geschehen ist aber nichts. Wie ein Rundblick zeigt, ist das Spektrum der hier vertretenen Auffassungen von Skulptur höchst unterschiedlicher Natur. Die Monumentalisierung geometrischer Formen offenbart sich in der Figurengruppe von Willi Weiner. In nicht minder großem Maßstab präsentiert sich die menschliche Figur bei Terence Carr. Die Überlängung und die Haltung des Paares bringen überdeutlich die Fragilität zwischenmenschlicher Beziehungen zum Ausdruck. Im dritten Jahr stellte die Bildhauerin Ingeborg Prein ihre zumeist idolhaft vereinzelten menschlichen Torsi aus. Ein Beispiel sehen Sie im Hintergrund auf dem Sockel. Nun zur heutigen Ausstellung: Der Name Bechteler ist in Augsburg und Schwaben nicht nur für
Kunstfreunde ein Begriff, denn zahlreiche Werke der Künstlerfamilie
schmücken Kirchen, öffentliche Bauten und den öffentlichen Raum. Der
Vater Theo Bechteler arbeitete viele Jahrzehnte als Bildhauer in Augsburg
und in Schwaben. Beispielhaft für die Kategorie "Kunst am Bau"
der Nachkriegszeit ist das Hochrelief in zartgrünem Tuffstein mit der
Darstellung des "Wirkens der Frau im Hause" an der Hauptfassade
der 1961 vollendeten hauswirtschaftlichen Berufsschule am Predigerberg. Die 1933 in Berlin geborene ältere Schwester von Christoph, Else Bechteler, hat sich mit ihren teilweise großformatigen Bildwebereien einen Namen gemacht. Die Arbeiten der ausgebildeten Textilhandwerkerin und Malerin finden sich in vielen öffentlichen und sakralen Gebäuden. Im November 1969 wurde die Künstlerfamilie Bechteler mit dem ersten Kunstpreis der Diözese Augsburg ausgezeichnet. Vater Theo, Tochter Else und Sohn Christoph Bechteler hatten damals im Rahmen der 21. Großen Schwäbischen Kunstausstellung in einem der Fürstenzimmer des Augsburger Rathauses in einer Familien-Sonderschau ihr Schaffen vorgestellt. In seiner Laudatio zur Preisverleihung betonte Generalvikar Achter, dass das Schaffen des Bildhauers Theo Bechteler das Bemühen "um das Gleichgewicht in schwankender Zeit" ausdrücke. Else Bechteler "öffne dagegen mit ihren transparenten Geweben den Blick aus der Problematik der Zeit ins Freie". Christoph Bechteler "setze sich schöpferisch mit der Bewältigung der Technik auseinander". Wie wir sehen: eine Künstlerfamilie und drei verschiedene und eigenständige Künstlerpersönlichkeiten. Christoph Bechteler charakterisierte 1999 seine künstlerische
Auffassung folgendermaßen: Folgen Sie mir jetzt bitte mit meinem Rundgang durch diese Ausstellung: Rechts sehen Sie den "Schalenbrunnen", dessen gestalterische Grundidee die Schaffung eines transportablen Brunnens war. Die Frontansicht ist auf eine variable Aufstellung abgestimmt. Auch in diesem Fall lagen die Prinzipien einer vegetativen Gestaltung zugrunde. Dafür spricht die Blütenform der sieben Schalen, über die sich das Wasser nach unten ergießt. Die Gesamtform des Brunnens ist als Baumfragment zu deuten, aus dessen oberen Blütenkugeln die Wasserstrahlen austreten. Die Größe des Brunnens ist auf die menschliche Proportion abgestimmt. Deswegen kann man den Lauf des Wassers verfolgen und genießen. Im Hause Grandel in der Altstadt hat Christoph Bechteler seinen ersten Schalenbrunnen aufgestellt. Dieser ist in seiner Kompaktheit auf den kleinen vorhandenen Raum abgestimmt. In der Konstruktion von Brunnen hat Christoph Bechteler reiche Erfahrungen sammeln können. Zusammen mit seinem Vater Theo Bechteler hat er 1989/1990 den vom Victoria Verein gestifteten Brunnen auf dem Vorplatz des Augsburger Hauptbahnhofes entworfen und gebaut. Die Brunnenreliefs dieser größten neuzeitlichen Brunnenanlage in Augsburg sind die letzte Arbeit von Theo Bechteler. Dann folgt die "Spiralsäule", die aus einzelnen verschweißten Metallstreifen zusammengesetzt ist. Hier zeigt sich die Beherrschung des Umganges mit Metall. Die Schweißnähte sind als Gestaltungselement eingesetzt und strukturieren die Oberfläche in der Art von Kanneluren antiker Säulenschäfte. Die Gesamtstruktur dieser Skulptur ist nur scheinbar eine Säule. Beim Umrunden offenbart sich der spiralförmige Aufbau der aneinandergereihten Metallstreifen. Die Dreidimensionalität von Skulptur wird so eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Eine etwa 6,5 m hohe Spiralsäule von Christoph Bechteler steht im Hof der Gewerblichen Berufsschule im Hochfeld, die vom Architekten Wilhelm Wichtendahl 1968-71 erbaut wurde. Dann folgt der "Spiel-Würfel"
als interaktive Skulptur, die zur Neukombination der einzelnen Würfel
anregen soll. Jeder ist aufgefordert, durch Versetzen eine neue
ganzheitliche Figur zu schaffen. Im Hintergrund sehen Sie den "Turm", dessen Tombakblech (=Schmiedebronze) eine Masse von insgesamt 600 Kg aufweist. Die aus drei Grundformen als Stützen und einem verschraubbaren Kopf kombinierte Großplastik besticht durch ihre konkrete und klare Formengebung. Hier offenbart sich Christoph Bechteler als ein Bildhauer, der die konstruktive Großform liebt. Die bestimmende Größe schafft ein bewußtes Spannungsverhältnis zur umgebenden Natur. Ebenso ist es nach der künstlerischen Auffassung von Christoph Bechteler denkbar, dass eine derart groß dimensionierte Skulptur auch in einen konkreten Gegensatz zur umgebenden Architektur tritt. Ganz andere Dimensionen weisen die kleinen
"Computer-Skulpturen" im Eingangsbereich auf, die 1998
entstanden sind. Ausgangspunkt waren ausrangierte PC-Festplatten, deren
polierte Scheiben, Trägerplatten und Magnetarme zu einer neuen Gesamtform
konfiguriert wurden. Dieses Zerlegen von technischen Apparaturen und das
Spielen mit Formen verleiht diesen Installationen einen eigenen Reiz.
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